Party Reports · FIRST *Sunday Rotation Night* ---> inclusive Sunday Afterhour !!! · 1 Nov 2014 · Berlin (Germany)

FIRST *Sunday Rotation Night* ---> inclusive Sunday Afterhour !!!

In- & Outdoor
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Reports / Feedback

7y 2m#3Caemping

Total
Location
Line Up
Deco
Guests
Overall
Ohne auf die bisherigen Berichte und ihrer Thematik einzugehen, fand ich es eine gelungene Party.
Meiner Meinung nach werden die Prog/Psy-Parties im R19 immer besser (ich weiß bei vielen war früher alles besser :-) ).
Man bekommt was "versprochen" wird, was in anderen Clubs nicht immer der Fall ist (großes Line-up um Massen zu locken und am Ende wenig realisiert).
Das Konzept von gestern war echt schön mit dem zusätzl. Garagenfloor. Prog/Psy - Minimal/Techno - Downbeat/Ambient mit dem Außenbereich der sich auch zunehmend entwickelt ist aus meiner Sicht perfekt.
Um auch etwas konstruktives zu erwähnen....fande die Musik nachts etwas zu leise zum Tanzen. Aber das war evtl. so gewollt.

keep on rocking.....

7y 2m#2Bocki

Nur kurz: Natürlich kann ich deine Meinung auch nachvollziehen.
Versuche bitte aber auch nochmal die Sicht des Türstehers bzw des Clubs einzunehmen. Er kann nicht alle Symbole/Runen/etc und ihre verschiedenen Bedeutungen kennen und möchte auch nicht allen auf einer Party deine Erklärungen liefern müssen.
Nach deiner Meinung könnten ja eventuell auch andere Symbole - die dann auch mehrdeutig sein könnten - auch ruhig auf dem Floor rumhüpfen.
Im Zweifel ist mir es lieber das z.B. eine Swastika eben nicht auf der Party auftaucht. Darüber gibt es hier im Forum auch seitenweise Diskusionen.

Gerade da das R19 in der Hinsicht NS Symbolic eben auch ein gebranntes Kind ist und eben auf seinen Ruf bedacht sein müsste, wird wohl im Zweifel immer eben eine härtere Entscheidung gefällt werden.

7y 2m#1shab

Das war wieder eine super-Party im R19, as usual, ich war ja schon oft dort. Ich hab schöne Musik gehört, einige nette Menschen getroffen und meinen Spaß gehabt. Und prinzipiell hätte ich hier auch ein gutes Rating zu geben. Aber im Folgenden möchte ich erklären, warum ich mich entschieden habe, nicht mehr auf Psytrance-Parties im R19 zu gehen. Ich hoffe, damit vielleicht ein paar Menschen zum Nachdenken zu bringen. Man könnte das Problem übertiteln mit „Was feiern wir eigentlich, wenn wir feiern?“

Zunächst ein paar persönliche Infos: Ich bin seit ca. 1995 auf Psytrance Parties unterwegs, ich bin darüber hinaus Kriegsdienstverweigerer und überzeugter Pazifist, der sich das letzte Mal mit 10 Jahren mit jemandem körperlich auseinandergesetzt hat. Ich würde mich nicht selbst als „links“ bezeichnen, weil mir solche politischen Vereinfachungen ein Greuel sind. Ich komme aber aus einer Familie, deren Angehörige in mehreren Generationen unter verschiedenen Regierungen wegen „linker“ politischer Einstellungen verfolgt worden sind (Berufsverbote, Gefängnis, Ausweisung). Einige andere meiner Vorfahren waren Juden und somit auch Opfer von Verfolgung und des Holocausts. Freunde von mir sind Migranten, die aus ihren Herkunftsländern wegen Religion oder politischer Einstellung verfolgt worden sind. Ich weiß also ziemlich genau, was Ausgrenzung bedeutet, und was es bedeutet, Menschen einer bestimmten Gruppe/Aussehen/Ausrichtung als „graue Masse“ zu betrachten, die man zum Sündenbock für was auch immer für gesellschaftliche Probleme macht und ausgrenzt.
Aus genau diesen Gründen, machen mir bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen Sorge, die ich in letzter Zeit beobachte und die nun auch die von mir wegen ihrer Offenheit und Integrativkraft eigentlich geschätzten Psytrance-Parties zu ergreifen scheinen. Mit diesen „Entwicklungen“ meine ich, dass in letzter Zeit in Deutschland und auch Berlin andersartige Meinungen, Meinungen und Statements, die auch nur leicht vom Mainstream abweichen, in eine bestimmte Ecke oder Schublade gedrückt und ihre Vertreter ausgegrenzt, denunziert und verfolgt werden. Ich verteidige hier übrigens Meinungen, die gar nicht meine eigenen sind. Ich meine das Recht von Moslems, einen festen Glauben und ein anderes Familienbild zu haben, ohne in die Ecke von Islamisten/Salafisten gestellt zu werden, und ich meine das Recht von Deutschen, die sich als Patrioten fühlen und auf bestimmte Werte pochen, die ihnen wichtig sind, eine solche Meinung zu vertreten, ohne als Nazis bezeichnet und ausgegrenzt zu werden. Ich wiederhole: Dies sind nicht meine Meinungen oder Weltauffassungen, aber ich bin bereit, zwar vielleicht nicht gleich mein Leben (frei nach Voltaire), aber zumindest ne Menge dafür aufs Spiel zu setzen, damit auch diese Leute ihre Meinung/ihren Glauben in einer Gemeinschaft von Leuten, die ich als „offene Gesellschaft“ schätze auch leben und ausdrücken dürfen. Man könnte hier auch ne Menge darüber reden, welche Medienmechanismen und Interessen hinter solcher „Spaltungspolitik“ stehen und darauf verweisen, dass wir historisch das alles in Deutschland schon mal hatten und wie besorgniserregend das ist, aber ich will hier nicht zu weit ausschweifen.
Nun bin ich kein hoffnungsloser Romantiker und mir ist klar, dass nicht alle das so sehen (können) wie ich, mit der „offenen Gesellschaft“. Aber ich habe die Psytrance-Szene immer dafür geschätzt, dass ich das Gefühl hatte, dass DIESER Gedanke von einer ganze Menge Leute geteilt wird, die sich darin bewegen. Ich erwähne hier nur kurz die Fraggle vs. Bademeister Diskussion und ich denke, ihr wisst was ich meine, wenn ich sage, dass diese friedliche Koexistenz sehr verschiedener „Typen“ eigentlich im Großen und Ganzen seit Jahren auch ganz gut so klappt. Übrigens: Das wäre auch meine persönliche Antwort darauf, was ICH feiere, wenn ich auf diese Parties gehe: Nämlich Freiheit, Offenheit und Miteinander, ohne Vorurteile, ohne das Schauen auf Bildung, Herkunft, Hautfarbe, Religion. Natürlich ist klar, dass diese Offenheit nur funktioniert, wenn man Leute, die Stress machen (wollen) „vor der Tür lässt“. Und natürlich ist klar, dass man in einer Gegend wie der Revaler Straße dafür auch eine entsprechende Türpolitik braucht. Funktion des Türstehers ist es meines Erachtens, darauf zu achten, dass nur Leute reinkommen, die nämlich in „demselben Geist“ feiern, also, ich wiederhole: Frieden, Freiheit, Offenheit und Miteinander, ohne Vorurteile, ohne das Schauen auf Bildung, Herkunft, Hautfarbe, Religion.
Dieses Ansinnen wird aber auf den Kopf gestellt, wenn sich Türsteher selbst so betätigen, wie das, was ihre Tätigkeit eigentlich verhindern soll: Dumpfes Ausgrenzen aufgrund von Unwissenheit, Vorurteilen, Uninformiertheit, etc. Ich gehe seit mehreren Jahren in Berlin auf Psytrance Parties, war schon sehr oft im R19 und trage dabei sehr oft ein T-Shirt, welches ich auch gestern Abend getragen habe. Darauf abgebildet ist ein Symbol, welches „Faravahar“ heißt ([wikipedia.org] . Es handelt sich um die Abbildung einer Mischung aus Vogel und Mensch, die aus dem zoroastrischen Glauben stammt. Zoroastrismus ist vermutlich die älteste monotheistische Religion der Welt und es haben sich Judentum, Islam, Christentum und viele andere Glaubensrichtungen daraus entwickelt. Es gibt bis heute viele Zoroastrier, nicht nur in Persien, dem Herkunftsland, sondern auch in allen Teilen der Welt. Freddy Mercury, der Sänger von Queen war beispielsweise Zoroastrier. [wikipedia.org]
Ich bin kein Zoroastrier. Ich liebe dieses Symbol aber, weil ich persönlich viel in meinem eigenen Glauben damit verbinde, weil es u. a. für eine friedliche, zurückhaltende, meditative Form von Religiösität und die Verbundenheit zu den Elementen steht. Und vor allem (und wichtig im Zusammenhang mit dieser Diskussion): Es ist ein Symbol dafür, dass die Menschen verschiedenen Glaubens aus verschiedenen Welt-Religionen viel mehr vereint als sie denken (nämlich ein gemeinsames spirituelles Erbe). Ein Symbol für das Gemeinsame, anstatt das Trennende zwischen den Menschen. Ein Symbol, das sich meines Erachtens sehr gut in die Symbolik von Psytrance fügt und auch nicht nur von mir in dieser Szene darum auch als Ausdrucksmittel verwendet wird.
Als ich gestern ins R19 gehen wollte, verwehrte mir der Türsteher (ich weiß leider seinen Namen nicht) den Eintritt, mit dem Argument, ich würde einen „Reichsadler“ auf dem T-Shirt haben (die Implikationen brauche ich jetzt nicht ausführen, denke ich). Ich habe ihn sehr verdutzt angeschaut (nicht nur, weil die Ähnlichkeit eigentlich nicht mal im Ansatz besteht, schaut es Euch selbst an), sondern weil ich schon oft in demselben T-Shirt im R19 war und dieses Problem niemals vorher thematisiert wurde. Ich klärte ihn also freundlich über die Bedeutung dieses Zeichens auf, genau wie ich das hier grad getan habe. Daraufhin argumentierte er, dass er dies vielleicht nachvollziehen könne, aber er dies dennoch nicht tolerieren würde, weil die Gefahr bestünde, jemand könne das (Zitat): „morgens um 4h auf dem Dancefloor mit nem Reichsadler verwechseln und dann gibt’s Stress“. Ich wies darauf hin, dass ich sogar ein zweites T-Shirt dabei hätte, dieses aber leider auch Faravahar (in einer anderen Version) zeigen würde, und somit ich nix dagegen machen könnte. Ich wies ferner darauf hin, dass viele Besucher mich sicher ohnehin kennen, ich niemals um 4h komisch angemacht wurde wegen dem Shirt (übrigens auch auf Open Airs im Ausland, etwa Türkei oder Marokko nicht, die nun wahrlich keine „offenen Gesellschaften“ sind) und alle seine Sorgen unbegründet wären. Nach einer ziemlich langen Diskussion ließ er mich schließlich doch eintreten. Ich fragte allerdings nach, ob ich jetzt in Zukunft nicht mehr in die Partys im R19 mit dem T-Shirt kommen könnte und er bejahte dies ausdrücklich. Ich war inzwischen ziemlich durchgefroren und an der Garderobe sagte mir jemand kurze Zeit später, dies sei ja kein Problem, weil mich ja binnen kurzem, die „Wärme der netten Menschen hier“ mich aufwärmen würde. Vielleicht könnt ihr nachvollziehen, dass ich das in diesem Moment als blanken Hohn empfunden habe (auch wenn es sicher ehrlich und gut gemeint war, denn die Person kannte ja die Vorgeschichte nicht).
Ich hoffe, nach der ganzen langen Darstellung ist Euch als Lesern klar, dass mein Problem nicht ist, dass ich nicht reingelassen wurde (denn das wurde ich ja). Mein Problem ist auch nicht, dass ich „beleidigt“ wäre, vielleicht in Zukunft mein Lieblings-T-shirt nicht mehr im R19 tragen zu können. Mein Problem ist, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob im R19 eigentlich eine offene tolerante Gesellschaft gefeiert wird (ich sag auch bewusst R19, weil ich den Türsteher erstmal nicht mit den Partyveranstaltern gleichsetzen will). Natürlich man kann sowas wie „Schuluniformen“ auf dem Dancefloor einführen (dahin führt die Argumentation des Türstehers, wenn man es weiter denkt), damit hält man sich natürlich auf einfachem Wege Probleme vom Leib. So ähnlich funktioniert es auch in Diktaturen: Das was unter Umständen auch nur auf klitzekleine Weise anecken „könnte“ wird gleichmal verboten und ausgegrenzt. Müsste das gleiche nicht auch für Menschen gelten, die eine Glatze tragen (ob aus modischen, Grauhaar- oder medizinischen Gründen). Die könnten mich doch auch „morgens um 4h auf dem Dancefloor“ an Nazis erinnern? Der Zweck heiligt nicht die Mittel, sonst wäre Diktatur die beste Staatsform, denn in einer solchen herrscht in jedem Fall „Ruhe“.
Ich persönlich glaube, der Club / Dancefloor / die Party ist eine Spielwiese, ein Trainingslager, die Möglichkeit eine andere Form fürs Miteinander „zu feiern“, ein positives Zeichen der Toleranz zu setzen, damit sich „da draußen“ vielleicht auch irgendwann mal was ändert. Das verbindet sich für mich mit Psytrance-Parties. Wenn es aber jetzt im R19 andersrum laufen soll, und politische Ekelhaftigkeiten von „da draußen“ jetzt auch in die Party reingeholt werden, möchte ich da nicht mehr mitfeiern.
In einem allgemeineren Sinne gesagt: Man kann natürlich auf Terror (Nazis auf Parties sind für mich "Terror") reagieren, in dem man die Freiheiten aller zum vermeintlichen "Schutze" aller beschneidet. Zum Beispiel also die Freiheit, anzuziehen zu können und eine Frisur zu haben, die man mag. Genau dann haben aber die "Terroristen" ihr Ziel erreicht: Das Ende einer offenen, freien Gesellschaft.
Es ist völlig Richtig, Menschen die Nazisymbole tragen, nicht auf eine Party zu lassen. Wenn aber aus jedem Vogel ein Reichsadler wird und aus jeder Glatze ein Skinhead, ist das richtige "Augenmaß" definitiv verlorengegangen. Damit begibt man sich auf dasselbe Niveau wie Menschen, die in jedem bärtigen Dunkelhäutigen einen Terroristen vermuten - und unterstellt dasselbe Niveau auch seinen Partygästen. Man verwechselt also die Menschenkenntnis, die einen guten Türsteher ausmacht, und dabei hilft, das "richtige" (friedliche) Partypublikum auszuwählen, mit oberflächlichen Vorurteilen.

Es gibt aber ja, das ist schön und beruhigt mich doch, ne ganze Menge andere Clubs und Parties wo das auch richtig verstanden und meine dargelegte Ansicht geteilt wird.

Danke für Eure Aufmerksamkeit. Ich hoffe, ich hab wenigstens den einen oder anderen zum Nachdenken gebracht!
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